Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur zählt zu den ältesten Heilmethoden der Menschheit. Der Begriff Akupunktur leitet sich aus den Worten „Acus“ – Punkt – und „pungere“ – stechen – ab, bedeutet also vereinfacht das Reizen von bestimmten Punkten des Körpers durch Stiche.
Die Ursprünge der Akupunktur sind in China vor etwa 4600 Jahren zu finden. Zur damaligen Zeit fand man heraus, dass das Einstechen von Steinsplittern in schmerzhafte Körperstellen häufig schmerzlindernd wirkt. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte sich bis heute ein äußerst komplexes Heilverfahren, das sich in den letzten 50 Jahren aus seinen mystischen Ursprüngen befreien konnte und heute wissenschaftlich hervorragend überprüft ist.
Als Grundlage der Akupunktur dient die Betrachtungsweise, dass bestimmte, auf so genannten Meridianen (Leitbahnen) gelegene Hautpunkte, mit Organen in Wechselbeziehung stehen. In den Leitbahnen kreist nach chinesischer Auffassung die Lebensenergie „Qi“ mit ihren Anteilen Yin und Yang. Diese beiden lebenserhaltenden Kräfte sind im Körper als Gegenpole gleichzeitig wirksam. Ihr Gleichgewicht stellt den idealen Gesundheitszustand dar, ihr Ungleichgewicht führt zu Beschwerden und Krankheit. Durch das Einstechen von Akupunkturnadeln in diese Punkte können Reize auf den Organismus ausgeübt werden. Dabei wird in der Akupunktur das Ziel verfolgt, das im Körper gestörte energetische Gleichgewicht wieder herzustellen. Im chinesischen Sinn bedeutet dies den Ausgleich von Yin und Yang oder vereinfacht das Umleiten von Energie aus Arealen mit energetischer Fülle zu solchen mit energetischer Leere. Die Hautpunkte konnten inzwischen feingeweblich als winzige Lücke im Unterhautgewebe identifiziert werden.
Akupunktur kann zerstörte Strukturen nicht wiederherstellen, wohl aber gestörte Funktionen wieder harmonisieren. Im Falle von Zerstörung ist lediglich eine Linderung der Symptome zu erreichen.
Zu den bekanntesten und bewährten Indikationen der Akupunktur zählen Schmerzen im Muskel- und Gelenkbereich, in der Wirbelsäule sowie Kopfschmerzen. Jedoch geht der Einsatzbereich der Akupunktur weit das Gebiet der Schmerzbekämpfung hinaus.
Allergien wie z.B. Heuschnupfen, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, Schwindel, Reizblase, Neuralgien, Nervenlähmungen, Schwangerschaftsbeschwerden und Geburtsvorbereitung, Regelschmerzen, Funktionelle Herzerkrankungen, Asthma bronchiale, Trockenes Auge, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände und die Suchtbehandlung können ebenso gut mit Akupunktur behandelt werden und spiegeln nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Anwendungskatalog der Akupunktur wieder.
Einer guten Akupunktur gehen immer eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte sowie eine intensive körperliche Untersuchung voraus. Das anschließend entwickelte Behandlungsschema ist immer ein individuelles und bedarf der ständigen Anpassung bei jeder neuen Behandlung. Die Akupunktur sollte immer in ein Gesamtkonzept eingebettet sein und Unterstützung durch begleitende naturheilkundliche oder homöopathische Maßnahmen finden.


Dr. Anke Lühr-Braun